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Der Tag der OP…

Gleich morgens bin ich noch mal duschen gegangen und habe dann gegen sieben Uhr meine Praemedikation bekommen, die Tablette die einen so schön entspannt in den OP fahren lässt. Erst dachte ich, dass ich gar nicht so viel davon merken würde. Aber ich habe dann noch ein Telefonat geführt, und (Sorry, Torsten!) ich kann mich an nicht ein einziges Wort davon erinnern…

Gegen zehn Uhr ging es dann los. Von den Anästhesisten habe ich erst einmal den PDA-Katheter gelegt bekommen. Das ist ein Schlauch der Rückenmarksnahe eingelegt wird, um bestimmte Nervenbahnen zu blockieren. Die meisten kennen ihn von Geburten um die Schmerzen der Geburt erträglicher zu machen. Bei mir sollte er die Schmerzen im Brustkorb dämpfen..

Gegen halb sieben wurde ich wieder wach. Sanja war bei mir und das hat mich super gefreut! Der Thoraxchirurg kam und erzählte, sie hätten erfolgreich einen Teil des linken Oberlappens entfernt (2/5 wie ich später hörte.) und die Lymphknoten unter dem Brustbein fast alle wegbekommen, was wohl nicht ganz einfach war…

Gegen sieben war ich dann wieder auf der Station. Aus meiner linken Seite ragten drei Schläuche, die Wundsekret, Blut und Luft aus dem OP-Gebiet saugen sollten. Dafür war an zweien eine Saugpumpe angeschlossen worden. Als eine davon nach dem Transport auf die Station wieder eingeschaltet wurde, bekam ich unsägliche Schmerzen. Nach einiger Zeit wurde dann ein Röntgenbild auf der Station gemacht und ein Chirurg kam und hat den Drain ein Stückchen herausgezogen, er lag nicht richtig. Danach wurden die Schmerzen erträglicher.
Schwierig war jede Bewegung, mal eben auf den Nachttisch langen, um die Klingel zu erreichen, war ein Höllenakt! Liegen konnte ich natürlich nur auf dem Rücken, dabei schlaf ich doch so gern auf der Seite…

Ist das Leben nicht manchmal gemein?

Mein OP-Termin wurde nun schon wieder verschoben! Das dritte Mal!!!

Dies mal aber nicht von den Ärzten, sondern weil morgen das OP-Personal streikt!

Also nochmal einen Tag warten, aber am Mittwoch gaaanz bestimmt! Das glaub ich erst, wenn ich auf dem OP-Tisch selig einschlummere…

Sollte es nun endlich klappen?

Nun mache ich den dritten Anlauf! Morgen am Montag gehe ich ins Krankenhaus und soll dann am Dienstag operiert werden! Es wird der linke Oberlappen entfernt und die Lymphknoten unter dem Brustbein entfernt. Wie ihr seht, haben sich die Ärzte für die chirurgische Lösung entschieden. Das heißt keine Chemo, keine Bestrahlung. Einmal operieren und dann ist es “erledigt”…

Schiß habe ich schon… Ist doch eine ganz schön heftige OP. Drückt mir bitte alle die Daumen , dass es gut geht!!

und nun doch noch keine OP

Am Mittwoch bin ich ins Krankenhaus. Noch mal wieder alle OP-Vorbereitungen: Röntgen des Brustkorbs (Rö-Thorax), EKG, Lungenfunktionsprüfung (LuFu), Vorbesprechung mit den Anästhesisten, mir wurde sogar schon der Oberkörper rasiert… Und dann kam gegen fünf Uhr nachmittags der Stationsarzt vorbei und sagte mir, dass sie doch noch nicht operieren wollten, dass sie erst noch einmal eine Untersuchung machen wollten! Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie enttäuscht und sauer ich war! Wieder stand die Frage im Raum, ob das alles nun Metasen des Zungengrund-Karzinoms oder ein eigenständiger Lungenkrebs sei. Ich sollte erst noch ein PET-CT bekommen.

Beim PET-CT bekommt man einen radioaktiv markierten Zucker gespritzt. Dieser lagert sich im Körper überall dort besonders an, wo eine übermäßige Stoffwechselreaktion stattfindet, eben z.B. in Krebszellen. Man kommt dann in eine CT-Röhre und wird von Kopf bis Fuß durchleuchtet. Man nennt dies deshalb auch PET-Scan.

Am Donnerstag Morgen kam dann der Chefarzt und erklärte mir, sie wollten nicht unter der OP feststellen, dass ich Flöhe und Läuse hätte. Es täte ihnen alle sehr leid, dieses hin und her, aber sie wollten für mich die beste Therapie finden und nicht die Messer wetzen und wild drauflos schnibbeln. Im Grunde ist das sehr löblich. Aber diese Diskussion wird nun schon von Anfang an geführt!

Nun ja, am Freitag fand diese Untersuchung nun statt. Außer dem Rundherd in der Lunge und der befallenen Metastase unter dem Brustbein habe ich keine weiteren Tumorzellen im Körper! Mittlerweile gehen nun alle davon aus, dass der Rundherd in der Lunge ein eigenständiger Krebs sei. Am Donnerstag wird nun mein “Fall” noch einmal in der Tumorkonferenz besprochen. Ich bin wieder einmal etwas Besonderes, mein Fall wird nun das dritte Mal besprochen! Es werden sehr selten Fälle zweimal besprochen, meist nur bei “aussichtslosen” Fällen. Bei mir würden zwar alle Bedingungen ideal passen, nur könnte mann sich nicht auf die richtige Therapie einigen… (Na toll, wenn ich soo zu Berühmtheit gelange…)

Wahrscheinlich bekomme ich nun erst eine Chemotherapie (neo-adjuvant), damit die Lymphknoten behandelt werden und dann wird der Rundherd, nachdem er durch die Chemo kleingeschrumpelt ist, operativ entfernt. Das ist schonender für mich, als die Lymphknoten alle heraus zu operieren, was für mich belastender und risikoreicher wäre…

Im Endeffekt bedeutet das erst einmal für mich wieder: Warten, warten warten…

Jetzt ist es ENDLICH entschieden!

Heute war ich wieder in der Thoraxchirurgie im Klinikum Bremen Ost. In den Lymphknoten, die sie bei der Mediastinoskopie in der letzten Woche entnommen haben, wurden Krebszellen gefunden. Wahrscheinlich ist es auch auch ein Plattenepithelkarzinom, aber so genau kann das der Pathologe noch nicht sagen, auf alle Fälle ist es kein “kleinzelliger” Krebs, was die Heilungschancen enorm erhöht! ;-)

Ob es nun aber ein eigenständiger Lungenkrebs oder eine Metastase des Zungengrundkarzinoms ist, läßt sich immer noch nicht sagen… Wäre es ein eigenständiger Tumor, würde ich erst eine Chemotherapie und dann eine OP bekommen. Aber die Ärzte können es nun einmal noch nicht genau sagen.

Die Behandlung soll nun wie folgt aussehen: Am kommenden Donnerstag werde ich operiert. Erst wird ein Bereich der Lunge entfernt in dem der kleine Rundherd sitzt, dieser wird dann sofort zum Pathologen geschickt zum “Schnellschnitt”. Während dieser den Lungenteil untersucht, werden mir die Lymphknoten hinter dem Brustbein entnommen. Stellt der Pathologe fest, dass es sich um einen eigenständigen Tumor handelt, wird mir dann noch der untere Lungenlappen der linken Lungen entnommen. Ansonsten bleibt der Rest dieses Lappen erhalten. Wahrscheinlich erhalte ich dann im Anschluss noch eine Bestrahlung der Lunge, damit noch etwaige nicht gefundene Metastasen “gekillt” werden.

Angeblich kann ich, wenn alles komplikationslos verläuft, schon nach ca. einer Woche wieder nach Hause. Na, mal gucken, wie das läuft… Hat jemand von Euch schon mal Erfahrungen damit gemacht? Bin für jeden Tip dankbar!

P.S.: Verwende ich zuviele Fremdwörter bzw. Fachausdrücke (z.B. “Kleinzelliger Lungenkrebs” oder “Schnellschnitt”? Ich hab schon überlegt ob ich ein sogenanntes Glossar dafür anlege. Wie seht Ihr den Bedarf?

Geduld ist, wenn man trotzdem wartet

Auch wenn es mir schwer fällt, und die Ungeduld ganz fürchterlich an mir nagt, will ich an dieser Stelle mal eine Lanze für die Ärzte, zumindest für die Bremer Ärzte brechen!

Ich kannte es nicht anders, da ich ja auch selber aus der Pflege komme, dass die Disziplinen untereinander sich nicht sehr grün sind und so etwas wie Absprachen oder gar gemeinsames Vorgehen in den Bereich von Märchen und Fabeln gehörten. Das scheint wirklich Vergangenheit zu sein!

Bei mir ist der Ausgangspunkt nun eine kleiner Rundherd in der Lunge und dazu ist nun ein Lymphknoten hinterm Brustbein vergrößert. Eigentlich ein Festmahl für einen Chirurgen, hier Thoraxchirurgen. Aber nein! Zwar wurde mir mitgeteilt, dass es sein kann, dass sie mir einen Lungenlappen entfernen, sollte sich herausstellen, dass es keine Metastase sondern ein eigenständiger Tumor ist. Nach langer Diskussion in der Tumorkonferenz einigten sich die Ärzte darauf, erst einmal den Lymphknoten näher zu untersuchen, ob der denn tatsächlich befallen sei, denn für eine Vergößerung könnte es schließlich noch tausend andere Ursachen geben!
Erst soll der Pathologe unter dem Mikroskop entscheiden was den Lymphknoten dazu bewegt hat anzuschwellen, erst dann wird das weitere Vorgehen diskuttiert! Und zwar wieder nicht allein die Chirurgen, sondern wiederum in der Tumorkonferenz!

Ein Teil in mir sagt: Schon wieder warten! Ich will jetzt wissen, was los ist! Aber ein anderer viel größerer und vor allem vernünftigerer sagt: Gott sei Dank holen sie nicht gleich das Messer raus und schnippeln mir ein Viertel meiner Lunge weg, sondern überlegen gemeinsam (!) welche Therapie für mich und meine Situation die sinnvollste ist! Das stärkt mein Vertrauen in diese Ärzte ungemein!

In der Konsequenz bedeutet dies, dass ich euch erst am Donnerstag berichten kann, ob der Lymphknoten befallen ist oder nicht! Also: wieder einmal Geduld haben!

Für diejenigen die noch wissen wollen was genau gemacht worden: Bei mir wurde eine Mediastinoskopie durgeführt. In der Schlüsselbeingrube, unterhalb des Kehlkopfes wurde ein ca 2 cm langer Schnitt gesetzt. Durch diesen wurde ein starres Endoskop eingeführt, ein Rohr mit Licht und Kamera. Die Ärzte haben sich hier bis zur Bifurkation vorgearbeitet. Das ist der Bereich in dem sich die Luftröhre zu den beiden Lungenflügeln gabelt. Hier sitzen die für die Lunge “zuständigen” Lymphknoten. Es wurde dann rund um diesen Bereich an fünf Positionen lymphatisches Gewebe entnommen und zum Pathologen geschickt. Mit drei Stichen wurde die kleine Wunde vernäht. Am Freitag wurde dieser Eingriff bei mir durchgeführt, Freitag abend brauchte ich einmalig etwas Paracetamol gegen die Schmerzen beim Schlucken. Gestern war ich noch etwas in meiner Beweglichkeit eingeschränkt, wie mit einem steifen Hals. Heute am Sonntag merke ich kaum noch etwas von dem Eingriff!

P.S. Das MRT von Leber und Hirn waren ohne ein negatives Ergebnis! Ich hab es jetzt schriftlich! Ich hab nix im Hirn!

Jetzt geht’s bald los…

Jetzt muß ich bald ins Krankenhaus… Komisches Gefühl! Ich war doch schon so oft dort und doch… Erst wird ja “nur” ein MRT und eine Lungenfunktionsprüfung gemacht!

Doch dann setzen sich die Damen und Herren Doktoren zusammen und entscheiden, was sie mir als Therapie anbieten wollen… Und ICH kann an dieser Stelle nicht mitreden. Natürlich habe ich das letzte Wort und trotzdem fühle ich mich irgendwie ausgeliefert…

Es fällt mir schwer und ich hab auch ein bißchen Angst… Bestrahlung kenne ich nun ja auch schon zu gut… Ja, der Tumor in der Lunge ist wesentlich kleiner und nicht so massiv…. Nach einer “großen” OP ist es ziemlich sicher, dass alles weg ist, aber eine große OP an der Lunge… Da hab ich ganz schön Muffensausen vor…

Wie wird das nun alles? Durch welche Täler muß ich, müssen wir jetzt noch gehen? Einerseits bin ich natürlich sehr zuversichtlich. Dieser Tumor in der Lunge ist doch Kleinkram gegen den im Hals und doch… Die kleine Angst im Hinterkopf bleibt… Geht alles gut?

Bestimmt!

Und wieder warten…

Ich bin gerade zurück vom Thoraxchirurgen aus dem Klinikum Bremen-Ost. Der Oberarzt ist sich noch nicht schlüssig, wie die Therapie aussehen soll.

 

 

Mit ihm habe ich jetzt vereinbart, dass ich Anfang Februar in Bremen-Ost stationär aufgenommen werde. Es soll dann ein MRT (Ein Verfahren zur Bildgebung, ähnlich wie CT, nur nicht mit Röntgenstrahlen sondern mit Magnetfeldern, besser bekannt als die „Röhre“) der Leber und des Kopfes gemacht werden zum Ausschluss weiterer Metastasen und eine Lungenfunktionsprüfung.

 

 

Er möchte mich dann auf der Tumorkonferenz vorstellen, um die weitere Vorgehensweise abzusprechen. Bei der Tumorkonferenz setzen sich Chirurgen, Internisten, Strahlentherapeuten und andere Ärzte, die etwas mit Krebserkrankungen zu tun haben, an einen Tisch und besprechen einzelne Fälle und diskutieren mögliche Therapien. Er erwägt eine Radio-Chemotherapie (!), und das als Chirurg ;-).

 

 

Abhängig vom Ergebnis der Tumorkonferenz soll ich dann operiert werden. Bei der Entscheidung für eine kombinierte Strahlen und Chemo-Therapie soll lediglich eine Mediastinoskopie zur Diagnoseverifizierung durchgeführt werden. Andernfalls gibt es eine größere OP mit Entfernung des Primärtumors und der Lymphknoten im Mediastinum. Das Mediastinum ist der Bereich hinter dem Brustbein zwischen den beiden Lungenflügeln. Hier befinden sich die meisten Lymphknoten für die Lunge. Eine Mediastinoskopie ist eine Spiegelung eben dieses Bereiches.

 

 

Also: Wieder einmal heißt es: Abwarten!

Ein Schatten auf der Leber…

Am Samstag habe ich Post bekommen… Beim CT der Lunge hat man auf der Leber auch noch einen Schatten gesehen… Panik… Lebermetastase?! Das war ein tolles Wochenende! Und dann erfährt man so eine Hiobsbotschaft auch noch per Post!

Das ganze Wochenende war versaut, dabei hatten wir endlich mal wieder ein Wochenende nur für uns. Dafür hatten Sanja und ich uns eigentlich vorgenommen, etwas Schönes für uns zu machen! Partnerschaft mit Krebs ist eh schon schwer genug… Und dann so was…

Nun denn heute morgen hab ich gleich um Acht einen Termin beim Internisten gemacht um das gleich per Ultraschall abklären zu lassen! Und oh Wunder, schon um zehn konnte ich kommen!

Entwarnung! Es ist keine Metastase sondern nur ein Blutschwämmchen, ein Hämangion, das immer wieder mal auf der Leber vorkommen kann!

Morgen um 11:00 Uhr hab ich Termin beim Thoraxchirurgen. Mal sehen was der wieder für eine Frohe Botschaft für mich hat… Wie wohl nun die Therapie aussieht? Dass eine OP notwendig ist klar, aber wann und in welchem Umfang? Und gibt’s dazu eine Chemotherapie? Und wie werde ich die vertragen? Dabei wollte ich doch endlich wieder arbeiten!

Also drück mir die Daumen für morgen!

Zweimal sechs Richtige….

Dem Einen oder Anderen habe ich es schon erzählt und ich werde auch noch einen Eintrag dafür erstellen. Bei dem letzten Kontroll-Röntgen Ende Oktober wurde ein kleiner Rundherd in der Lunge gesichtet. Verdacht auf eine Metastase! Nach Rücksprache mit dem Thoraxchirurgen sollte erstmal in mindestens zehn Wochen eine Kontrolle stattfinden, und es sollte abgeklärt werden, ob noch irgendwo sonst im Körper Metastasen zu finden seien!

Die tolle Nachricht: Es sind weder im Bauchraum, noch im Skelett die geringsten Anzeichen auf Metastasen zu finden! Mein Hals sieht wesentlich besser aus als von den Ärzten erwartet! Die Lymphknoten sind mit Ultraschall überhaupt nicht mehr zu finden, d. h. hier sind auch kaum Vernarbungen!

Doch nun das Verrückte, Perverse… In meiner Lunge scheint ein zweiter, völlig vom ersten Tumor unabhängiger Krebs zu wachsen. Der eben keine Metastase ist. Wir haben schon gesagt, dass das Zungengrund-CA nur deshalb gekommen ist, damit der Lungenkrebs überhaupt gefunden wird! Denn den hätte man sonst doch erst gefunden, wenn es schon zu spät gewesen wäre!

Am kommenden Dienstag habe ich wieder einen Termin beim Thoraxchirurgen, bei dem wir besprechen werden, wie die OP und die weitere Therapie aussehen wird! Ich werde Euch davon berichten!