Auswirkungen

Ich wollte jetzt mal einen Eintrag machen, wie es mir so im Allgemeinen geht und welche Auswirkungen die Erkrankung und vor allem auch die Therapiefolgen auf mein tägliches Leben haben.

Die Diagnosen lauten:
• Zustand nach Zungengrund-Karzinom nach kombinierter, hyperfraktionierter Radio-Chemotherapie
• Bronchialkarzinom nach Lungenteilresektion (anatomische Resektion am linken Oberlappen) und massiver Lymphadenektomie im Bereich des Lungenhilus
• Rekurrenzparese

Diese Diagnosen klingen für viele erst mal nach böhmischen Dörfern. Und auch diejenigen, die sie verstehen, wissen oft gar nicht welche Auswirkungen und Einschränkungen hinter diesen Fachausdrücken stehen.

Meine Strahlentherapie ist nun fast eineinhalb Jahre her und doch sind deren Auswirkungen für mich noch am gravierendsten. Die Bestrahlung hat erreicht, dass der drei bis vier Zentimeter große Tumor komplett eingeschmolzen ist. An seine Stelle ist nun faltiges Narbengewebe getreten. Da er sich ja kurz vor dem Kehldeckel befand, könnt ihr euch vielleicht vorstellen, dass wenn dort Speisen oder Getränke dort in den Falten „hängen“ bleiben, ich mich „gern“ daran verschlucke. Aber das ist nur ein geringes Problem. Ich muss mich dann während des Essens öfter mal räuspern oder etwas hüsteln und dann geht es meist. Bestimmt Speisen gehen hierdurch besonders schlecht. Haferflocken zum Beispiel wollen gar nicht…
Während und lange nach der Bestrahlung waren meine Mundschleimhäute massiv entzündet. Noch Heute reagieren sie sehr empfindlich, vor allem auf Säuren und scharfe Gewürze.
Ein viel größeres Problem (für mich das im Alltag schwerwiegendste!) ist, dass durch die Bestrahlung die Speicheldrüsen „zerschossen“ wurden. Die Restproduktion sind vielleicht noch gefühlte zehn Prozent der vorherigen Speichelmenge. Auch reagieren die Speicheldrüsen nicht auf „Mehrbedarf“ wie vorher. Also das berühmte Wasser-im-Munde-Zusammenlaufen entfällt komplett.

Während der Therapie des Zungengrund-Ca wandelte sich mein Speichel in einen zähen Schleim. In Kombination mit der Chemotherapie kam es immer wieder zu Würgereizen und Erbrechen. Trotz PEG habe ich in der Zeit von November 2006 bis ca. April 2007 ungefähr 25 Kilo abgenommen. So „leicht“ es wohl leider für viele von Euch ist Zuzunehmen, so schwer ist es für mich. Seit dem Sommer hab ich ungefähr vier Kilo wieder an Gewicht gewonnen.

Durch die Bestrahlung hab ich eine sogenannte Strahlenkaries bekommen. Zum Einen wurde der Zahnschmelz durch die Strahlen direkt aufgeweicht und zum Anderen fehlt die Selbstreinigungskraft des Speichels, der „normalerweise“ die Zähne  freispült. Als Folge sind alle meine Zähne Zugrunde gegangen und mussten gezogen werden. Nun habe ich ein provisorisches Gebiss. Ein „richtiges“ kann ich erst nach zwei bis drei Jahren bekommen, da sich bis dahin der Kiefer zum einen massiv noch verändert und zum anderen das Risiko einer Knochenentzündung noch massiv besteht. Am Oberkiefer sitzt das Provisorium ganz prima, aber der Unterkiefer… Der gehörte ja zum Bestrahlungsgebiet und hier ist das Zahnfleisch immer noch sehr schmerzhaft, ein Kauen ist nahezu ausgeschlossen.

Um an den Tumor in der Lunge und an die Lymphknoten heran zu kommen wurde unter meiner linken Achsel ein ca. 20cm langer Schnitt gesetzt. Ein Rippe wurde durchtrennt. Zum Abfluss von Wundflüssigkeit und zum Absaugen von Luft an der falschen Stelle wurde mir zwei große und eine kleine Drainage gelegt. Diese Drainagen waren sehr schmerzhaft für und haben mich doch sehr in meiner Beweglichkeit eingeschränkt. Anderen ist es mit diesen Drainagen ganz anders ergangen, sie haben sie fast gar nicht gemerkt. Also keine Angst, wenn es noch bevorstehen sollte! ;-)

Die durchtrennte Rippe hat mich vier Wochen lang ganz gewaltig geärgert.
Beim Ausräumen der Lymphknoten unter dem Brustbein haben die Ärzte einen Nerv gereizt, der die Stimmbänder versorgt, mit dem Erfolg, dass ich jetzt eine linkseitige Stimmbandlähmung habe. Ob diese dauerhaft oder nur vorrübergehend ist, wird sich noch zeigen müssen. Als Folge davon klingt meine Stimme jetzt manchmal etwas heiser und ich kann nicht mehr laut sprechen. Was natürlich meine Kinder und Bento freut…

So, jetzt sind meine Maleschen glaub ich alle vollständig. Ich werde diese Seite demnächst noch mal ergänzen, welche Auswirkungen das alles hat. Also z.B. was ich alles essen kann und was nicht… Überschriften dafür habe ich schon mal:

• Essen
• Trinken
• Genussmittel
• Bewegen
• Sprechen
• Schmerzen